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Die Scheinheiligen,



diese Woche konnte man sie in Schrift und Bild besichtigen, die glorreichen Vertreter des Brucker Mittelstandes. In den Lokalausgaben von Merkur und SZ durften wir ihre Sicht auf die Welt und den dazugehörigen Plan zur Rettung Deutschlands nachlesen.

Wenns nicht so traurig wäre, wärs ja lustig. Unter der Überschrift Schreiner akzeptieren Obi-Ansiedlung lässt sich da z.B. der Bäcker und Kreishandwerksmeister Höfelsauer vom Obermeister der Schreinerinnung Volkwein bestätigen, dass er, Höfelsauer, alles richtig gemacht habe. Toll, das verstehe ich unter echtem Corpsgeist. Der Obermeister der Schreinerinnung bedankt sich beim Kreishandwerksmeister für die Vernichtung der selbstständigen Schreiner. Da sind sie sich einig, die Fraktion der Immergewinner, das nennt man echte Spezlwirtschaft, die Herrschaften wissen wie man sein Fähnchen in den Wind hängt. Von Höfelsauer ist verbürgt, dass er einemSchreiner gegenüber, der durch Obi wohl seine Existenz verlieren wird, gesagt hat:" Auf Einzelschicksale kann keine Rücksicht genommen werden". Das allerdings hat er wohl in seiner Eigenschaft als CSU-Parteigenosse gesagt, da darf man nicht generalisieren. Merkwürdig nur, dass Höfelsauer, als die Firma Rasch einen geradzu mikroskopischen Backshop in ihrer Tankstelle einrichten wollte, sofort öffentliche Interessen bedroht sah. Der Volksvertreter und Kreishandwerksmeister weiß anscheinend immer noch nicht, dass im neuen Obi, den Höfelsauer so überzeugend befürwortet, ein gigantischer Backshop entsteht.

CSU-Stadtrat und Bauunternehmer Schilling durfte der Presse seine Bedenken wegen des Obi-Marktes vortragen. Selbermachen sei in, meint Schilling. Der wird sich noch wundern. Im Toombaumarkt, der sich auf Obi selbstverständlich vorbereitet, entsteht dem Vernehmen nach ein Servicecenter für Oberbayern. Da wird einem genau erklärt, was man bei welchem Problem zu tun hat und was man dazu alles aus dem neuen Baustoffcenter braucht.
Komisch nur, im Stadtrat war der Bauunternehmer Schilling immer für die Ansiedlung von Obi und ist es vermutlich noch. Da sind dann die politischen Rücksichten und Absichten doch stärker als die Interessen der Kollegen aus der Handwerkerschaft. Möglicherweise kann man sich ja einen warmen Platz im Landtag verschaffen, das wärs natürlich. Ach ja, und dann ist Herr Schilling noch der Meinung der Kündigungsschutz solle aufgeweicht werden, da er aufgrund dieses, keine Leute einstellen kann. Heilige Einfalt, die SPD, speziell der unsägliche Ludwig Stiegler wirds vermutlich wieder glauben. Dem kann man ja auch einreden, die allfälligen Pleiten durch Obi, Toom und Baywa würde es nach einer Änderung des Kündigungsrechtes ganz sicher nicht geben, Stiegler wirds in Berlin vehement als eigene Erkenntnis vertreten.

Und dann noch unser IHK-Kreisvorsitzender und Unternehmer der Medizintechnik Rosenheimer. Dem ist klar, dass an der Misere in erster Linie die Betriebsräte schuld sind. Wetten, der Mann hat sein Lebtag noch keinen Betriebsrat gesehen. Die üblichen Verdächtigen, also die Rot-Grüne Regierung, die Gewerkschaften sowie die hohen Löhne und Lohnnebenkosten will Herr Rosenheimer selbstverständlich auch nicht unerwähnt lassen. Außerdem geht Herr Rosenheimer jetzt sowieso nach Indien. Das finde ich jetzt mal wirklich eine gute Idee. Da warten sie schon auf solche wie ihn, solvente Oberbayerische Mittelständler sind dort gerne gesehen. Das ist wie mit den Taschendieben am Hauptbahnhof, die erkennen ihre Opfer auch immer gleich nach dem Motto: "Ist der Massa gut bei Kassa, fährt der Massa nach Mombassa". Und wenn Herr Rosenheimer dann reich an Erfahrung, krank, pleite und pflegebedürftig nach Deutschland zurückkommt, werden wir ihn selbstverständlich freudig wieder in unserer Mitte begrüßen und ihn der besonderen Obhut unserer arbeitslosen Kinder anvertrauen. Denen kann er dann tolle Geschichten "wies in Indien is" erzählen. Da werden die sich dann freuen.

Lehrlinge wollen Rosenheimer und die anderen würdigen Vertretern des Mittelstandes selbstverständlich nicht ausbilden, da die Jugend nicht bildungsfähig ist. Dass das Credo der bürgerlichen Dummheit: "Merkantilismus vor Humanismus" genau dieses Ergebnis zu zeitigen pflegt, davon wollen sie natürlich nichts wissen, die wackeren Recken des Mittelstandes.

Es gibt jedoch Hoffnung: Wenn all die losgeherischen Mittelständler endlich in Indien und China sind, können Tschechen und Polen dem "Made in Germany" in Deutschland wieder zu altem Glanze und unseren Kindern zu einer vernünftigen Ausbildung verhelfen.

Ja und dann noch der Gewerbeverbandsvorsitzende Jirgl. Der erzählt den jahrtausendealten Schmarrn von der Jugend, die nichts mehr taugt, der deliriert von der "Null Bock Generation" und will ansonsten billige Arbeitskräfte aus dem Osten, die allerdings, unverschämt wie sie sind, lieber in Österreich arbeiten, da sie dort besser bezahlt werden. Ansonsten finden sie eh alle die billigen Arbeitskräfte aus dem Osten gut, nur die Unternehmer von dort, die sollen besser bleiben wo sie sind. Der Mann merkt noch nicht mal in welche Zwickmühle er sich mit seinem Schmarrn selber manöveriert.

Tja so schauen sie aus, die Herren Hinsichtl und Rücksichtl, die würdigen Vertreter einer idiotischen Bürgerlichkeit, die jedesmal den Ast auf dem sie sitzen absägen und durch den entstandenen Schaden immer noch dümmer werden. Die es nachher wieder mal nicht gewesen sein, ja schlimmer, alles immer schon vorher gewusst haben werden. Verbandsverräter die alles und jeden ihren persönlichen Interessen opfern, Leute, denen Bruck und die Region scheißegal sind, die keinen einzigen originellen Gedanken formulieren, sondern den üblichen breitgetretenen Unfug nur noch breiter treten können.

So kommt es, dass grundsätzlich gegen jede Vernunft gehandelt und dieses Land gnadenlos vor die Hunde gehen wird.

Gbo